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27.01.2012

Desertec – ein zentrales oder dezentrales Konzept?

Vortrag “Energy and Climate Security for a World of 10 Billion People” an der TU Kaiserslautern Bericht von Leonie Herold, die ein Freiwilliges Ökologisches Jahr (FÖJ) der EOR absolviert

Am 18. Januar hielt Dr. Thiemo Gropp an der TU Kaiserslautern einen Vortrag zum Desertec-Konzept. Gropp, von Haus aus Physiker, ist Gründer und Vorstand der Desertec-Stiftung. Ziel von Desertec ist die Produktion von Ökostrom in Wüsten, beispielsweise in Nordafrika. Der Strom soll aus Solarthermie-, Photovoltaik- und Windkraftanlagen gewonnen und bis nach Mitteleuropa übertragen werden. Gropp war es wichtig klar zu stellen, dass Desertec nicht nur auf Sonnenenergie setze, sondern auch auf andere regenerative Energiequellen. Er erläuterte, Desertec sei ein großes globales Netzwerk. Mit Partnern aus der Industrie und dem Bildungs- und Forschungsbereich werde versucht, das Problem der Energie- und Klimasicherheit anzugehen. „Das Desertec-Konzept findet große Akzeptanz“, sagte Gropp.

Zu Anfang seines Vortrages ging Gropp auf die Zusammenhänge von Bevölkerungswachstum und einem steigendem Energieverbrauch ein. Allerdings, so Gropp, könne nicht exakt prognostiziert werden, wie viel Energie für bis zu zehn Milliarden Menschen benötigt werden. Es gebe viele Modelle, so Gropp, die der Menschheit aufzeigten, wie lange sie noch mit ihrem bisherigen Lebensstil weiter leben könnten und wann der Punkt erreicht sei, „der das Fass zum Überlaufen bringt“. Beispielsweise zeige der ökologische Fußabdruck, dass die Menschheit schon heute über ihre Verhältnisse lebe. Rein rechnerisch würden drei Welten benötigt, zur Verfügung stehe aber nur eine Welt.

Im weiteren Verlauf des Vortrags kam Dr. Thiemo Gropp auf weitere Herausforderungen des 21. Jahrhundert zu sprechen. Wasserversorgung, Nahrungsmittelversorgung und menschliche Gleichberechtigung müssten angegangen werden. Er betonte, dass Desertec auch diese Punkte nicht außer Acht lasse. Wichtig sei auch die direkte Beteiligung der Bevölkerung vor Ort. „Weltweit versuchen wir die Menschen einzubinden“, betonte Gropp. Diskutiert werde beispielsweise die Möglichkeit des Erwerbs von Anteilen an Parabolspiegel-Anlagen in der Wüste. „Diese Idee steht aber noch in den Startlöchern“, sagte Gropp. Auch sei eine Zusammenarbeit mit den jeweiligen Stromanbietern angedacht. 

Gropp thematisierte auch die Debatte um eine zentrale oder dezentrale Energieversorgung. Er räumte ein, dass viele die Strategie einer zentralen Versorgung anfeindeten und stattdessen für dezentrale Lösungen plädierten. Gropp verdeutlichte, dass die Projekte in der Wüste sowohl zentrale als auch dezentrale Elemente aufweisen. Im Rahmen von Desertec sei geplant rund 80 bis 90 Prozent der gewonnenen Energie den Anrainern selbst zur Verfügung zu stellen (dezentraler Ansatz). Dagegen sollen nur rund 10 bis 20 Prozent nach Europa exportiert werden (zentraler Ansatz), um in Europa eine stabile Energieversorgung zu gewährleisten. Durch Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragungsleitungen (HGÜ) sei im Gegensatz zu Wechselstromleitungen eine verlustarme Übertragung des Stromes möglich. 

Nach seinem Vortrag stellte sich Gropp noch den Fragen der Zuhörer. Ein Zuhörer ging auf die Problematik der Kühlung in Wüstenregionen ein. Es sei klar, so Gropps Antwort, dass Wasserkühlung in der Wüste schwer sei. Die Küstenregionen seien meist dicht besiedelt und zudem sei der hohe Wasserdampfgehalt wirkungsgradmindernd. Es gebe aber Techniken der Trockenkühlung, die zum Einsatz kommen könnten. Allerdings müssten auch hier reduzierte Wirkungsgrade in Kauf genommen werden. Zudem sei die Reinigung der Spiegel eine technische Herausforderung. Auch hier werde eine Art der Trockentechnik, in Form von Druckluftreinigung, angewendet.

Vergessen oder auch verdrängt werde oftmals die Frage, ob in Zukunft überhaupt noch genügend Rohstoffe zum Bau der benötigten Anlagen vorhanden seien. Das sei ein sehr wichtiger Punkt, sagte Gropp. Klar sei, dass die gesamte Rohstoffwirtschaft nachhaltiger werden müsse. „Wir dürfen nicht alles einfach wegwerfen, ansonsten kann es Engpässe geben. Ein signifikanter Anteil von Einzelrohstoffen müsse bewahrt werden, vor allem Metalle“, sagte Gropp. Mit diesem „Auftrag“ an jeden Einzelnen kam die Diskussionsrunde zu ihrem Ende.

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