Kommunen
27.01.2012

Wettbewerb „Kommunaler Klimaschutz 2011“: Ortsgemeinde Hillesheim (Kreis Mainz-Bingen) ausgezeichnet

Gemeinsam mit dem Bundesumweltministerium führt die „Servicestelle: Kommunaler Klimaschutz“ seit 2009 jährlich den Wettbewerb „Kommunaler Klimaschutz“ durch. Zielgruppen sind Kommunen und Regionen, die durch erfolgreich realisierte Maßnahmen, Strategien oder Aktionen in besonderem Maße zur Reduzierung von Treibhausgasen beigetragen haben.

Die Maßnahmen, Strategien und Aktionen sollten Modell- und Vorbildfunktion besitzen und andere Kommunen zur Nachahmung anregen. In den drei Kategorien „Innovative technische und/oder bauliche Maßnahmen für den Klimaschutz in einem kommunalen Gebäude oder einer kommunalen Einrichtung“ (Kategorie 1), „Innovative und vorbildliche Strategien zur Umsetzung des kommunalen Klimaschutzes“ (Kategorie 2) und „Erfolgreich umgesetzte, innovative Aktionen zur Beteiligung und Motivation der Bevölkerung bei der Realisierung von Klimaschutzmaßnahmen“ (Kategorie 3) wurden drei Preisträger ausgewählt. Insgesamt wurden jährlich 240 000 Euro Preisgeld vergeben. Das Preisgeld muss in Klimaschutzaktivitäten investiert werden. Damit können die prämierten Projekte weiter gefördert, aber auch gänzlich neue Aktivitäten angeschoben werden.

Mit dem bundesweit durchgeführten Wettbewerb sollen Kommunen und Regionen die Möglichkeit erhalten, ihre erfolgreich realisierten Klimaschutzprojekte einer breiten Öffentlichkeit vorzustellen und anderen als gutes Beispiel zu dienen. Dazu erhalten die Preisträger durch die "Servicestelle: Kommunaler Klimaschutz" Unterstützung bei der Öffentlichkeitsarbeit zu ihren prämierten Projekten. Unter anderem werden die ausgezeichneten Projekte als Filmbeitrag auf einer DVD sowie in einer in Buchform gedruckten Wettbewerbsdokumentation präsentiert. Beide Medien werden den Gewinnern zum individuellen Einsatz vor Ort zur Verfügung gestellt.

Die Jury setzt sich aus Vertretern des Bundesumweltministeriums, des Umweltbundesamtes, des Deutschen Städtetages, des Deutschen Landkreistages sowie des Deutschen Städte- und Gemeindebundes zusammen.

In der Kategorie 1 „Innovative technische und/oder bauliche Maßnahmen für den Klimaschutz in einem kommunalen Gebäude oder einer kommunalen Einrichtung“ wurde das „Passivhausprojekt Bürgerhaus“ der rheinland-pfälzischen Ortsgemeinde Hillesheim (Kreis Mainz-Bingen) ausgezeichnet. 

Mit der energetischen Sanierung einer leerstehenden Scheune in Kombination mit einem Anbau in Passivhausbauweise hat die Ortsgemeinde Hillesheim ein innovatives und energieeffizientes Versammlungsgebäude geschaffen und damit gezeigt, dass auch kleine Gemeinden ökologisch und zukunftsweisend bauen können. Besonders hervorzuheben ist das Engagement der Bürgerinnen und Bürger, die mit rund 8.500 Arbeitsstunden Eigenleistung erheblich zum Erfolg beigetragen haben.

Ein Passivhaus wird Mittelpunkt des Gemeindelebens
Eine neue Versammlungsstätte - das war der besondere Wunsch der Bürgerinnen und Bürger in Hillesheim als die Erneuerung ihres Dorfes anstand. Diese sollte eine Alternative zum bis dahin genutzten und überalterten Hallenbau aus den 1960er Jahren sein. Als im Jahr 2005 eine alte Scheune im Ortskern zum Verkauf stand, fiel der Startschuss für das Projekt „Bürgerhaus“. Ziel war, neben der Schaffung eines multifunktionalen Gebäudes für unterschiedliche Anlässe, eine energetisch sinnvolle und damit betriebskostensparende Lösung zu finden. Der Primärenergiebedarf und CO2-Ausstoß sollte im späteren Betrieb so gering wie möglich sein. Die Wahl fiel auf ein Passivhaus-Konzept, bei dem die alte Scheune erhalten und durch einen Anbau ergänzt werden sollte. Obwohl die Idee eines Passivhauses anfangs noch auf Skepsis stieß, konnten dank guter Informationspolitik durch die Gemeinde immer mehr Bürgerinnen und Bürger für das Projekt gewonnen werden.

Ärmel hochkrempeln für den Klimaschutz
Schließlich beteiligten sich 60 Hillesheimer aktiv am Bau ihres CO2-sparenden Bürgerhauses. Insgesamt investierten sie rund 8.500 Arbeitsstunden in Eigenleistung. Mit einem Ergebnis, das sich sehen lassen kann: Jahr für Jahr spart Hillesheim jetzt rund 8,1 Tonnen des Klimakillers ein. Auch der Komfort blieb nicht auf der Strecke: Die neue Versammlungsstätte bietet 180 Besuchern Platz und 14 örtliche Vereine haben einen adäquaten Raum gefunden, um ihre Aktivitäten zu pflegen und ausbauen zu können. Eine Küche ermöglicht die Bewirtung von Gästen und per Trennwand kann das Bürgerhaus aufgeteilt werden, so dass eine Doppelnutzung möglich ist.

Optisch wirkt das Gebäude nun wie ein „Haus im Haus“: Der Anbau öffnet sich zur Scheune hin und verschmilzt mit ihr zu einem einzigen Passivhaus-Komplex. Die Bruchsteinwände der alten Scheune blieben - ebenso wie Dach und Gebälk - erhalten. Die Lüftungsanlage arbeitet mit Wärmerückgewinnung. Die Warmwasserbereitung und der Restwärmebedarf erfolgen über eine Wärmepumpe mit Erdwärmesonden. Die gesamte Dämmung des Bürgerhauses hat Passivhausstandard. Auch beim Innenausbau wurde auf Energieeffizienz geachtet: Alle Leuchten lassen sich über Zwei-Phasen-Abschnittsdimmer regulieren. Das bedeutet, dass bei geringerer Beleuchtung auch weniger Energie benötigt wird. Der Strom - auch für die Wärmepumpe - wird über eine Photovoltaik-Anlage erzeugt. Sie ist so effektiv, dass nicht nur der Eigenbedarf des Bürgerhauses gedeckt wird, sondern auch noch Strom ins Netz eingespeist werden kann.

Verwendung des Preisgeldes
Laut Wettbewerbsregeln müssen die Gewinner das Preisgeld in Höhe von 40.000 Euro wieder in die Umsetzung von Klimaschutz-Vorhaben investieren. Dazu Ortsbürgermeister Helmut Schmitt: „Wir wollen die Beleuchtung im Foyer unseres Bürgerhauses und im Außenbereich durch moderne LED-Technik ergänzen, um das Bürgerhaus auch ins richtige Licht zu setzen. Weiterhin möchten wir ein Konzept für die Umrüstung der Straßenbeleuchtung auf LED-Technik erstellen.“

Ansprechpartner: Helmut Schmitt, Ortsbürgermeister, Tel: 06733/1453, E-Mail: helmutschmitt(at)t-online.de  

[Quelle: http://www.kommunaler-klimaschutz.de/wettbewerbe/kommunaler-klimaschutz/wettbewerb-2011/hillesheim; letzter Aufruf: 26.01.2012]

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